Arnimit aus Planitz
Fakten zum Arnimit
- Bedeutung: wissenschaftshistorisch
- Chemische Zusammensetzung: basisches Kupfersulfat Cu3(SO4)(OH)4
- Mineralgruppe: Sulfate
- Typische Farbe: grün bis dunkelgrün
- Ausbildung: feinkristalline Überzüge, Anflüge oder Krusten
- Fundort: Planitz bei Zwickau
- Entstehung: Oxidation kupferhaltiger Minerale unter sauren Bedingungen, im Raum Planitz bei Zwickau im Zusammenhang mit unterirdischen, 400 Jahre wütenden Kohlenbränden
- Erstbeschreibung: 1886 von Albin Weisbach und Benennung nach der Industriellenfamilie von Arnim
- Heutige Bezeichnung: später als identisch zum Mineral Antlerit erkannt; heute gilt der Name Antlerit als vorrangig
- Objektherkunft: Geschenk der ersten Archäologin Sachsens
Das Archivobjekt des Quartals 03/26 mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken: Auf einem Stück Porzellanjaspis sitzen feine, grüne Kristallgruppen.
Doch dieser Fund aus Planitz bei Zwickau erzählt viele Geschichten – von unterirdischen Bränden, dem Zwickauer Steinkohlebergbau, tropischen Pflanzen und einer besonderen Schenkerin.
Der Anfang: Feuer unter der Erde
Im Raum Zwickau wurde mindestens sechs Jahrhunderte lang Steinkohle gefördert. Spätestens im Jahr 1476 (1479?) entzündeten sich die Kohlen unter Tage. Schon Georgius Agricola berichtete in seinem Werk Bermannus von den intensiven Bränden.
1641 kam es im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg durch Brandstiftung zu einem weiteren Feuer. Dieses brannte noch bis in die Zeit zwischen 1860 und 1880.
Die Folgen waren auch an der Erdoberfläche sichtbar. Im Sommer wuchs über dem Brandgebiet kaum etwas. Im Winter dagegen zeigte sich die Fläche so grün, wie man es sonst im Frühling erwarten würde. Immer wieder drangen die Flammen bis nach oben durch. 1849 brannte beispielsweise ein Wetterschacht der Arnimschen Gruben spektakulär aus.
Ananas auf den Planitzer Erdbränden
Die Wärme der unterirdischen Brände konnte auch genutzt werden. Ernst August Geitner gründete 1837 die »Treibegärtnerei auf den Planitzer Erdbränden«.
In den Gewächshäusern wuchsen Ananas und andere tropische Pflanzen. Die Pflanzen und ihre Erzeugnisse wurden verkauft.
So wurden die Erdbrände nicht nur als Gefahr erlebt. Ihre Wärme wurde auch zu einem besonderen wirtschaftlichen Vorteil.
Wie aus den Bränden ein Mineral entstand
Die große Hitze veränderte die Gesteine in der Umgebung. Es entstand unter anderem Porzellanjaspis, auch Porzellanit genannt. Dieses Gestein ist besonders hart, glänzt schwach und bricht muschelig.
Auch der Schwefel aus der Kohle wurde durch die Brände verändert. Dabei entstand unter anderem Schwefelsäure. Durch die niedrigen pH-Werte konnten aus den veränderten Gesteinen leicht verschiedene Metallionen freigesetzt wurden. Aus ihnen konnten sich neue Minerale bilden.
Die vulkanischen Gesteine des Rotliegenden enthielten Kupfer. Kupfer kam dort außerdem bereits in elementarer Form vor. Im Bereich des Bürgerschachtes, des Brückenbergschachtes und des Hoffnungsschachtes wurden beispielsweise Kupferbleche gefunden. In den 1950er Jahren untersuchte auch ein Erkundungsprogramm der DDR diese Kupfervorkommen.
Eine zunächst sächsische Erstbeschreibung
1882 übergab Bergrat Carl Gustav Kreischer grüne Mineralproben an Albin Weisbach. Sie stammten aus Bruchmassen des Tiefen Planitzer Flözes. Das Flöz war von den unterirdischen Bränden erfasst worden.
Die erforderlichen chemischen Untersuchungen konnten erst durchgeführt werden, nachdem später weiteres Material erworben worden war. Clemens Winkler untersuchte die Proben. 1886 beschrieb Weisbach das Mineral als neue Mineralart und benannte es nach der Familie von Arnim, die in Planitz und Cainsdorf Bergwerke, Kokereien und Eisenhütten betrieb.
Ein Mineral mit wechselndem Namen
1889 beschrieb Hillebrandt ein Mineral aus der Antler Mine in Arizona und nannte es Antlerit. Untersuchungen durch Kokkoros ergaben 1953, dass Antlerit und Arnimit identisch sind.
Da Weisbachs Beschreibung des Arnimits sehr knapp war, erhielt der Name Antlerit den Vorrang. Damit gilt Arizona und nicht Sachsen als Ort der Erstentdeckung.
Ein Geschenk von Ida von Boxberg
Das auf 1887 datierte Objekt stammt von Ida von Boxberg. Sie gilt als erste Archäologin Sachsens und interessierte sich auch für Naturwissenschaften.
Ida von Boxberg schenkte verschiedenen sächsischen Sammlungen zahlreiche Objekte. Die Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft zu Dresden erhielten von ihr unter anderem selbstgesammelte historische Bleiplomben und Münzen, Bücher sowie Edelsteine.
Das Mineralstück verbindet damit vier verschiedene Perspektiven: Es erzählt von der Entdeckung eines Minerals, von den Bränden im Zwickauer Steinkohlebergbau, von der Nutzung ihrer Wärme und von der Geschichte seiner Überlieferung.