Topas vom Schneckenstein
Fakten zum Schneckenstein
- Der Schneckenstein ist heute ein 23 m hoher geschützter Felsen (883 m ü.N.N.).
- Entstanden ist der Schneckenstein vor etwa 320 Millionen Jahren als magmatische Explosionsbrekzie.
- Der geregelte Topasbergbau begann 1727, die Blütezeit war nach etwa 15 Jahren bereits vorbei.
- Die Zeche der Königskrone baute knapp ein Drittel des Felsens ab.
- Die schönsten Topase gelangten als Kunstgegenstände in die königliche Sammlung im Grünen Gewölbe in Dresden.
- Der Schneckensteintopas wird auch als Sächsischer Diamant bezeichnet.
- In der Nähe des Schneckensteins befinden sich das Besucherbergwerk Grube Tannenberg und das Vogtländisch-Böhmische Mineralienzentrum.
»… je mehr der sächsische Topas bekannt wurde, je mehr stieg er auch im Preise, weil dem Stein wegen seiner besonderen Schönheit und als etwas neuen sehr nachgetrachtet wurde.«
Johann Gottlieb Kern 1744
Die Entwicklung der Grube Königskrone
Gelber Topas vom Schneckenstein zählt zu den bekanntesten und historisch bedeutendsten Edelsteinen Sachsens. Seit über dreihundert Jahren ist der Schneckenstein im Vogtland als Fundort von Topasen in Edelsteinqualität bekannt. Der geregelte Bergbau begann 1727, als der Auerbacher Kürschner und Tuchhändler Christian Kraut mit Erlaubnis des verarmten Grundherrn von Trützschler erste Arbeiten aufnahm. Bereits wenige Monate später erwarb August der Starke (1670–1733; als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen und als August II. König von Polen und Großfürst von Litauen) den Grund und Boden. Er beauftragte Kraut damit, den Abbau zu intensivieren – unter der Bedingung, dass ihm die größten und prächtigsten Steine überlassen würden. Von diesem Zeitpunkt an trugen die Stollen am Schneckenstein den Namen »Grube Königskrone«. In den folgenden etwa fünfzehn Jahren wurden die hochwertigsten Topaskristalle gefördert. Friedrich August II. (1696–1763; ab 1733 Kurfürst von Sachsen und als August III. zugleich König von Polen und Großfürst von Litauen), ließ sie schließlich zu Kunstgegenständen verarbeiten.
Schneckenstein-Topase in der britischen Königskrone
Einige dieser Kunstobjekte von herausragendem kulturellem und historischem Wert sind heute im Grünen Gewölbe in Dresden ausgestellt. Ein weiteres bedeutendes Werk aus dieser Zeit ist eine Krone, die mit 485 Topasen vom Schneckenstein besetzt war. Georg III. von Großbritannien und Irland (1738–1820) ließ sie 1761 anlässlich seiner Krönung für seine Gemahlin Charlotte anfertigen. Dieses prachtvolle Stück gilt heute als verschollen; vermutlich wurde die Krone später zerlegt, um die Edelsteine für andere Schmuckstücke zu verwenden.
Trotz mehrerer Anläufe, den Bergbau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederzubeleben, erreichte die Topasförderung nie wieder die wirtschaftliche Bedeutung der frühen Jahre. Der professionelle Abbau kam schließlich 1796 vollständig zum Erliegen.
Die ersten Beschreibungen
Der Schneckenstein wurde 1535 erstmalig urkundlich erwähnt. Eine der frühesten Beschreibungen des Vorkommens stammt von Johann Friedrich Henckel – Bergbauberater, Chemiker und Mineraloge –, der 1737 einen ersten Bericht veröffentlichte und ab 1739 als Inspektor des Schneckensteins tätig war. Eine umfassendere Darstellung legte Johann Gottlieb Kern vor, der bis 1741 als Gutachter in Freiberg wirkte. Seine Arbeit aus dem Jahr 1744 enthält nicht nur Abbildungen des Felsens aus allen vier Himmelsrichtungen, sondern auch Zeichnungen von Topaskristallen und Proben; sie wurde jedoch erst posthum publiziert. Eine weitere frühe – und vermutlich erste farbige – Darstellung eines Schneckenstein-Topases stammt vom französischen Maler und Zeichner François Louis Swebach-Desfontaines. Sie erschien als Tafel LIV in Histoire Naturelle – Règne Minéral.
Der Schneckenstein als Forschungsobjekt
Verschiedene wissenschaftliche Arbieten befassen sich mit dem Topasvorkommen. In seinem Traité de Minéralogie präsentierte der berühmte Mineraloge René Just Haüy (1743–1822), häufig als Vater der modernen Kristallographie bezeichnet, detaillierte Abbildungen und Beschreibungen der Kristallformen des Schneckenstein-Topases. Im Jahr 1817 wählte der Mineraloge Carl Friedrich Christian Mohs (1773–1839) den Schneckenstein-Topas als Referenzmaterial für die Härte 8 auf seiner heute weltweit verwendeten Mohs-Härteskala. Mit den Kristalltrachten des Topases befasste sich im Rahmen seiner Dissertation von 1884 Leo Grünhut, einer der Wegbereiter der Lebensmittelkontrolle. Das von ihm genutzte Material vom Schneckenstein befindet sich noch heute in den Beständen des LfULG.
In jüngerer Zeit rückten vor allem die geochemischen Besonderheiten des Schneckenstein-Topases in den Fokus, insbesondere seine Bedeutung als Germaniumträger.
Heute ein Naturdenkmal erster Klasse
Bis heute fasziniert der Schneckenstein seine Gäste. Seit dem 19. Jahrhundert bis zum heutigen Tag ist der Topasfelsen ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Reisende aus nah und fern. So besuchte Prinz Friedrich August zu Sachsen am 6. Juli 1829 in seiner Reise zu besonderen geologischen und bergmännischen Orten in Sachsen auch den Schneckenstein. Zur Besteigung des Felsens wurden Stufen in den Felsen eingeschlagen und eine Brüstung angebracht.
Seit 1938 steht der Schneckenstein-Felsen unter Naturschutz und besitzt den Status eines Naturdenkmals. Das Gebiet ist eingezäunt. Sammeln, insbesondere aber Grabungen, sind strikt untersagt.
Der Topasfelsen ist Bestandteil der Topaswelt Schneckenstein und bildet mit dem im Vogtländisch – Böhmischen Mineralienzentrun befindlichen Topaszimmer das Alleinstellungsmerkmal dieser Einrichtung. Der Felsen ist touristisch an den Felsenweg 4 angeschlossen und einer der bekanntesten Geotope im Geo-Umweltpark Vogtland.
2019 erhielt der Topasfelsen das Prädikat »Nationaler Geotop«.
Geologischer Hintergrund
Der Schneckenstein liegt am westlichen Hang des Kieler Berges, etwa 10 Kilometer südöstlich von Falkenstein/Vogtland. Seine Entstehung ist eng mit dem Eibenstocker Turmalingranit verknüpft, einem Teil des Nejdek–Eibenstocker Massivs, der vor rund 319,8 ± 1,0 Millionen Jahren Jahren in der Erdkruste kristallisierte.
Der Felsen befindet sich rund 400 Meter vom Granitkörper entfernt innerhalb dessen Kontakt-Aureole, also innerhalb von Gesteinen, die durch die Platznahme des heißen Magmas beeinflusst und umgewandelt wurden. Während der Granitintrusion entstanden mehrere Diatreme (explosive Durchschlagsröhren), die mit Quarzporphyren oder Brekzien verfüllt wurden. Anschließend durchliefen sie eine pneumatolytische Gesteinsumwandlung durch heiße leichtflüchtige Substanzen, welche der magmatischen Schmelze entwichen und in das Nebengestein eindrangen. Neben Wasser, Fluorwasserstoff und Silizium enthielten diese aggressiven Gase auch Schwer- und Edelmetalle. Durch komplexe geochemische Prozesse verdrängten die in den pneumatolytischen Gasen enthaltenen Substanzen die ursprünglichen Gesteinsbestandteile. Es bildeten sich neue Minerale und Erze. Dieser Prozess wird als als Greisenbildung bezeichnet. Der Schneckenstein stellt den widerstandsfähigen Rest einer solchen pneumatolytisch überprägten brekziösen Diatremfüllung dar.
Die Greisenbildung verlief zweistufig:
- Zunächst bildete sich durch Borinfiltration Turmalin,
- anschließend entstand Topas aus fluorreichen Lösungen, teils unter Ersatz des Turmalins.
Die Brekzie besteht aus faustgroßen Fragmenten eines quarzitschieferartigen Gesteins, die durch Quarz- und Topaskristalle miteinander verkittet sind. Mit zunehmender Tiefe nimmt der Anteil an Turmalin zulasten des Topases zu. Dies ist bekannt, da eine tiefere Brekzienschicht aus einem Stollen der nahegelegenen Zinngrube Tannenberg erbohrt wurde.
Topaskristalle in Edelsteinqualität – also solche, die sich für den Schleifprozess eigneten – fanden sich überwiegend in Hohlräumen und Drusen in den obersten Bereichen des Felsens. Der Schneckenstein ist in ca. 90 Meter Tiefe durch einen Stollen durchörtert worden und besitzt dort eine Ausdehnung von 110 x 35 Meter mit scharfen Grenzen zum Nebengestein.
Naher Erz-Bergbau
Westlich des Schneckenstein-Felsens weisen die großen Halden auf eine nach dem 2. Weltkrieg beginnende Bergbauperiode auf Uran hin. Ziel war die Uran-Barytlagerstätte Schneckenstein – Brunndöbra. Weiterhin verdient die ehemalige Zinnlagerstätte Tannenberg - Mühlleithen in unmittelbarem Kontaktbereich des Eibenstocker Granits zum angrenzenden Schiefer Beachtung. Hier wurde vom 15. Jahrhundert bis 1964 Zinn abgebaut.