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Homichlin aus Plauen

Objekt des Quartals 02/2026

Handstück Homichlin aus Plauen

Homichlin aus Plauen (© Dr. Uwe Lehmann LfULG)

Fakten zum Homichlin

  • Kupfersulfid-Erz 
  • Erstfund aus der Vereins Segen Fundgrube des Actien-Brauvereins zu Plauen
  • Die Bestimmung des vermeintlich neu entdeckten Minerals erfolgte durch Prof. Breithaupt (1791-1873) im Jahre 1858
  • Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde erkannt, dass es sich bei »Homichlin« lediglich um geringfügig alterierten Chalkopyrit (CuFeS2) handelt
  • Chalkopyrit ist das wirtschaftlich bedeutendste Kupfermineral weltweiter Kupferlagerstätten
  • In der Sammlung des LfULG befinden sich drei Handstücke der Typuslokalität mit Etiketten des sächsischen Landesgeologen Ernst Weise (1843-1941) und des Bergmeisters Karl Heubner (1807-1877)

Es klingt kurios – und ist es auch: Der »Actien-Brauverein zu Plauen« betrieb in seinen Anfangsjahren Mitte des 19. Jahrhunderts neben der Brauerei auch Erzbergbau. Eine solche Kombination dürfte in der Geschichte von Brauereien einmalig sein.

Der Felsenkeller einer Brauerei wird zum Bergwerk

Bei der Auffahrung eines für die Braukunst unverzichtbaren kühlen Felsenkellers stieß man im Sommer 1858 nach 5,5 metrischen Lachtern (entspricht etwa 11 m) vom Stollnmundloch entfernt auf einen Erzgang mit Kupfermineralen.

Der in Plauen wohnende Bergmeister und Schichtmeister für die vogtländischen Gruben a.D. Karl Heubner (1807 – 1877) saß im Aufsichtsrat des 1857 gegründeten Aktien-Brauvereins. Er wurde vom Vorstand beauftragt, den Felsenkeller aufzufahren. Und vermutlich nur in dieser Konstellation dachte Heubner sofort an ein erhofftes zweites Standbein für den Brauverein. Für ihn ergab sich dadurch in Plauen zudem ein neues Betätigungsfeld. Vorsorglich stellte er daher bei der Bergbehörde einen Mutungsantrag mit genauer Beschreibung des geplanten Schurffeldes. Zudem wurden Mineralproben an den Mineralogen und Professor der Bergakademie Freiberg, Johann Friedrich August Breithaupt, übergeben. Letzterer war an der Bergakademie der Lehrer von Heubner gewesen und so lag es nahe, dass Heubner ihn sofort über den Fund informierte. Breithaupt war auch persönlich rege im Vogtland aktiv u.a. mit einer Grube, die er in Pirk durch nicht beherrschbares Wasser aufgeben musste.

Prof. Johann Friedrich August Breithaupts (1791-1873) »Entdeckung«

Büste von Breithaupt am Eingang des Mineralogischen Institutes in Freiberg.
Büste von Breithaupt am Eingang des Mineralogischen Institutes in Freiberg.  © LfULG

Breithaupt beschrieb im Dezember 1858 ein von ihm Homichlin genanntes neues Mineral, welches erstmals bei der Sprengung eines Felsenkellers der Aktien-Brauerei in Plauen in einem »… durchschnittlich 6 Zoll mächtigen Gang, von welchem über 100 Quadratfuß Gangfläche bereits entblößt worden …« gefunden wurde. Als Nebengestein gab er » … Grünstein, welcher wahrscheinlich dem Diorit angehört …« an. Entsprechende Proben hatte Breithaupt von Bergmeister Karl Heubner erhalten, der auf der »Vereins Segen Fundgrube« tätig war. Noch im gleichen Jahr besuchte Breithaupt die Grube selbst und fand nachfolgend das neue Mineral auch an weiteren Lokalitäten im Vogtland (unter anderem bei Röttis sowie Jocketa) sowie weltweit in verschiedenen Ländern. Breithaupts Publikation wurde bereits im Folgejahr (1859) in den USA zitiert, mit Nennung des Fundortes Plauen.

Der Name Homichlin leitet sich vom griechischen ομιχλη (Nebel, Dunst) ab und nimmt Bezug auf das messinggelbe Anlaufen frischer Bruchflächen, welches innerhalb höchstens zweier Tage erfolgt. Breithaupt erwähnte im Vergleich zum Chalkopyrit einen geringeren Eisengehalt, eine höhere Dichte, sowie eine geringere Beständigkeit bei Verwitterungsprozessen. Die Härte des Homichlins gab Breithaupt mit 5-6 an, wobei sich dieser Wert auf seine eigene Härte-Skala bezog, die zwölf Referenzminerale enthielt.

Gustav Adolph Kenngott merkte bereits 1858 zu der Beschreibung von Breithaupt an, dass sich die Unterscheidung von Homichlin und Chalkopyrit nur auf einige unwesentliche Punkte bezieht, »weil er sich bereits stellenweise zersetzt findet und nicht rein ist«.

Die Bergbauaktivitäten der Bierbrauer

Grundriss der Vereins Segen Fundgrube Plauen 1868
Grundriss der Vereins Segen Fundgrube Plauen.  © Strobel, H. und Lehmann, U. 2025

Der zwischenzeitlich eingestellte Bergbau litt, abgesehen von den insgesamt bescheidenen Erzmengen, unter Wassereinbruch und Personalmangel. Aus den Jahresberichten zur »Vereins Segen Fundgrube« ergibt sich eine Gesamtfördermenge an Kupfererz von ca. 203 Zentnern (= 10 Tonnen), die von der Sächsischen General-Schmelz-Administration mit einer Vergütung von ca. 464 Talern angekauft wurde. Die Verhüttung erfolgte in der Muldener Hütte bei Freiberg. Gemessen am Aufwand von 1.500 Talern war es für den Brauverein ein Verlust. Den konnte man durch die Gewinne aus dem Kerngeschäft jedoch verkraften.

Die heutige Sternquell-Brauerei GmbH (Rechtsnachfolger des Brauvereins) hatte in den 1950-er Jahren nochmals einen direkten Bezug zum Bergbau: sie war Mitabfüller von akzisefreiem Trinkbranntwein (umgangssprachlich: Kumpeltod) für die Wismut-Kumpel der Uran-Lagerstättengebiete.

Die Bedeutung des Chalkopyrits und des Kupfers

Chalkopyrit (CuFeS₂) (altgriechisch chalkós = Kupfer) ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten Kupferminerale und kommt weltweit in vielen Lagerstätten vor. Die Escondida-Mine ist derzeit weltweit das Bergwerk mit der größten jährlichen Kupferförderung. Sie befindet sich in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, wo Chalkopyrit sowie diverse Verwitterungsminerale die Hauptkupferträger darstellen.

Kupfer gilt aufgrund seiner essenziellen Rolle unter anderem für Energiewende, Elektromobilität und Digitalisierung sowie der hohen Importabhängigkeit Europas seit 2023 als kritischer und strategischer Rohstoff und ist demgemäß von dem im Mai 2024 in Kraft getreten Critical Raw Materials Act (CRMA) erfasst.

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