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Die Bohrung Z 606 A1/2011 aus Geyer als Grundlage innovativer Gesteinsuntersuchungen

Objekt des Quartals 04/2025

Zwitterstock Geyer

Zinnlagerstätte des Zwitterstocks Geyer (© Nils Buschbeck)

Fakten zur Erkundungsbohrung

  • Eine der fünf in den Jahren 2011/2012 im Erkundungsfeld Geyer-Südwest abgeteuften Bohrungen.
  • durchführendes Unternehmen: die zur
  • Deutschen Rohstoff AG gehörende Firma Tin International Limited und ihrer Tochtergesellschaft Sachsenzinn GmbH
  • maximale Teufe: ~270 m
  • geowiss. Untersuchungsmethoden: herkömmlicher Methoden (makroskopische Ansprache, Dünnschliffuntersuchungen) sowie hyperspektrale Bildgebung
  • Lagerstätte: Die Lagerstätte Geyer ist eine Skarnlagerstätte.
  • Petrographie: Wechsellagerung aus Zweiglimmer-, Quarz-Granat-Muskovit- und Gneisglimmerschiefern, Skarn-führende Horizonte sowie Lager (Skarne, Marmor, verskarnte Gesteine) sind den beschriebenen Gesteinseinheiten zwischengeschaltet.
  • Rohstoffe: Kassiterit (Zinnerz), Sphalerit (Zinkerz), Kupfererze sowie Indium-führende Erze
  • mineralogische Raritäten: Amethyst in Schmucksteinqualität sowie sog. Geyerit – eine starke Verwachsung von Arsenopyrit und Löllingit
  • Der Bohrkern liegt im Bohrkernlager des LfULG

von Nils Buschbeck, LfULG, September 2025

Ankündigung eines neuen Geyerischen Berggeschreis?

Infolge steigender Zinnpreise und einer sich seitdem ankündigenden neuen Bergbauperiode im Erzgebirge wurden in den Jahren 2011/2012 insgesamt fünf Erkundungsbohrungen in einem südwestlich von Geyer befindlichen Erkundungsfeld (Geyer-Südwest) abgeteuft. Hierbei wurde eine Teufe von maximal  270 Metern erbohrt. Verantwortlich für das Projekt war die zur Deutschen Rohstoff AG gehörenden Firma Tin International Limited und ihre Tochtergesellschaft Sachsenzinn GmbH. Einschätzungen zufolge enthält das Gestein im Untersuchungsgebiet größere Mengen an Zinn. Zusätzlich könnte ein potenzieller Bergbau in Zukunft auch Zink, Kupfer und Indium gewinnen.

Einsatz neuester Analysetechnik

Um das Potenzial einer Lagerstätte einzuschätzen, sind zunächst Erkundungsarbeiten notwendig. Sowohl für solche als auch im laufenden Bergbaubetrieb ist es daher erforderlich, viele Bohrmeter effizient und möglichst objektiv bewerten zu können. Ein immer stärker an Bedeutung gewinnendes, innovatives Verfahren ist daher die hyperspektrale Bildgebung. Mit dieser zerstörungsfrei durchführbaren Methode ist es möglich, verschiedene Mineralphasen zu charakterisieren und deren Anteile im Gestein über das mineral mapping abzuschätzen. Ziel ist es darüber hinaus, die mittels hyperspektraler Sensorik erfassten Bohrkerne in Zukunft durch Machine Learning-gestützte Algorithmen auswerten zu können. Neben genaueren Ergebnissen bei der Mineralkartierung ist auch eine höhere Zeiteffizienz zu erwarten.

Ein weiterführender Nutzen der hyperspektralen Bildgebung besteht in der Gesteinsansprache und Stratifizierung von Bohrkernen. Die in der Bohrung Z 606 A1/2011 gewonnenen Daten können dann gegebenenfalls in ein geologisches 3D-Modell überführt werden, welches den Aufbau des geologischen Untergrundes im Gebiet repräsentiert.

Bohrkerene der Erkundungsbohrung Geyer
Vergleich der Fotografien zweier Kernkisten mit je 3 x 1 Meter langen Bohrkernen der Bohrung Z 606 A1/2011 aus Geyer (links) mit deren hyperspektralen Bildgebung (rechts). Letztere ist hier für die Teufe zwischen 132 und 146 Metern beispielhaft dargestellt. Während in der hyperspektralen Bildgebung die Mineralphasen des Glimmerschiefers eher durch violette Farbtöne dargestellt werden, können die Mineralphasen des Skarn-führenden Horizontes durch gelbliche bis grünlich-bräunliche Farben nachvollzogen werden.   © LfULG
Geologisches 3D-Modell der Skarnlagerstätte Geyer
Geologisches 3D-Lagerstättenmodell des Erkundungsfeldes Geyer-Südwest. Ausgeblendet sind alle Gesteinseinheiten außer dem Granit, welcher das Gebiet großflächig unterlagert (Farbe: rosa-bräunlich) und die vorliegenden Skarnkörper (Farben: gelb-bräunlich, dunkelblau, hellblau, türkis, grün, braun, beige), welche in einem Verbreitungsgebiet von circa 4 x 1 Kilometer anzutreffen sind. Weiterhin werden die thematisierten Bohrungen blau und die Bohransatzpunkte gelb dargestellt. Ebenso im Modell sichtbar wird die nordöstlich, außerhalb des Erkundungsfeldes befindliche, Granitausstülpung mit dem Zwitterstockwerk Geyer und der Binge.   © verändert nach Helmholtzinsitut Freiberg

Wie kam das Zinn in den Skarn von Geyer?

Die Skarnbildung fand vermutlich in zwei, zeitlich unterschiedlichen, Phasen statt. Erstere der beiden Phasen steht in Verbindung mit der Platznahme des Granit-Batholiths (eines komplex aufgebauten magmatischen Tiefengesteinskörpers), welcher das Gebiet großflächig unterlagert. Als Ursache der zweiten Skarn-bildenden Phase wird eine weitere, tiefer liegende Intrusion vermutet. Diese könnte die Quelle magmatisch-hydrothermaler Fluide sein, die wahrscheinlich zur Zinnvererzung der Skarnkörper führten.

Rohstoffe aus Geyer für die Industrie

Während Zinn beispielsweise als Lötmittel-Bestandteil oder zur Herstellung von Lebensmittel-Konserven dient, findet Zink unter anderem als Korrosionsschutz für Stahl- und Eisenteile sowie als Werkstoffbestandteil im Bauwesen und in Batterien Anwendung. Die Verwendung von Kupfer hingegen reicht vom Einsatz in der Elektrotechnik und damit beispielsweise auch in der Fertigung von Elektroautomobilen über die Bauindustrie bis hin zur Herstellung von Kunstgegenständen. Mit der stetig fortschreitenden technologischen Entwicklung gewinnt außerdem Indium, welches vor allem in der Produktion von Flachbildschirmen und Touchscreens benötigt wird, an Bedeutung.

Zurück zum Ursprung der Stadt

Landschaftlich befindet sich die Berg- und Bingestadt Geyer im unteren Mittelerzgebirge. Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft – deren Ursprung eng mit im 14. Jahrhundert beginnenden bergbaulichen Aktivitäten verbunden ist – fällt auf das Jahr 1381. Das wohl bekannteste und bedeutendste Zeugnis des geyerischen Altbergbaus ist die allgemein als Binge bekannte Zinnlagerstätte (Zwitterstockwerk) Geyer, welche ihr heutiges Aussehen durch mehrere Pingenbrüche sowie Steinbrucharbeiten erhielt. Bis 1913 wurde hier in erster Linie Kassiterit (Zinnerz) gefördert. Erneute bergmännische Erkundungsarbeiten in den Jahren 1957 bis 1960 blieben erfolglos. Der zweitgrößte Altbergbau der Ortschaft ist im Gebiet der Kiesgrube Geyer zu verorten. Hierauf deutet noch heute die sogenannte Holzbruchpinge hin, in der ein kleiner Wasserfall hinabstürzt. Ob es in Zukunft in Geyer zu einer Wiederbelebung des Bergbaus kommen wird, ist derzeit noch nicht zu sagen und hängt unter anderem mit den Rohstoffpreisen als auch mit dem technologischen Stand der Aufbereitungsmethoden zusammen.

Kassiterit-Reicherz-Stufe
Kassiterit-Reicherz-Stufe mit historischem Etikett aus dem Archiv des LfULG. Beschriftung des Etiketts: Zinnstein mit Gilbertit Geyer / Erzgebirge. Probenahme vermutlich durch Helmut Bolduan im Jahr 1959.   © Nils Buschbeck

Weiterführende Literatur

Hösel G., Fritsch E., Josiger U., Wolf P: Das Lagerstättengebiet Geyer. Bergbaumonographie - Bergbau in Sachsen Band 4.

Kirsch M.: Geologisches 3D-Modell für das Pilotprojekt ROHSA 3.1

Steckbriefkatalog: Neubewertung von Erz- und spatvorkommen im Freistaat Sachsen

Meyer N., Burisch M, Gutzmer J., Krause J., Scheibert H, Markl G. (2025): Mineral chemistry of the Geyer SW tin skarn deposit: understanding variable fluid/rock ratios and metal fluxes. Springer Nature Link.

Meyer M., Markl G., Gerdes A., Gutzmer J., Burisch M. (2023): Timing and origin of skarn-, greisen-, and vein-hosted tin mineralization at Geyer, Erzgebirge (Germany). Springer Nature Link.

Contreras Acosta I. C.; Khodadadzadeh M.; Tusa L.; Ghamisi P.; Gloaguen R.: A Machine Learning Framework for Drill-Core Mineral Mapping Using Hyperspectral and High-Resolution Mineralogical Data Fusion. IEEE Journal of Selected Topics in Applied Earth Observations and Remote Sensing 12(2020)12, 4829-4842.

Cecilia Contreras, Mahdi Khodadadzadeh, Pedram Ghamisi, and Richard Gloaguen: MINERAL MAPPING OF DRILL CORE HYPERSPECTRAL DATA WITH EXTREME LEARNING MACHINES

 

 

 

 

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