Anatektischer Glimmerschiefer von Wolkenburg
Ort: Wolkenburg an der Zwickauer Mulde
Sehenwürdigkeit: anatektischer Glimmerschiefer und Orthogneis des Schiefermantels des Granulit-Massivs
Status: interessanter Aufschluss ohne Geotopschutz
Anreise mit PKW: A 72 bis Ausfahrt 21 Penig oder A4 bis Ausfahrt 64 Glauchau-Ost, B175 bis Dürrengerbisdorf, Thierbacher Straße/Schlossberg nach Süden bis Schloss Wolkenburg
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: RE1 oder RB 30 zwischen Chemnitz und Glauchau bis Hohenstein-Ernstthal, Bus 256 Hohenstein-Ernstthal – Bräunsdorf bis Limbach-Oberfrohna Rathaus, Bus 127 Limbach-Oberfrohna – Wolkenburg bis Wolkenburg, von dort zu Fuß über die Zwickauer Mulde den Schlossberg hinauf zum Schloss.
Das Schloss Wolkenburg liegt auf einem Felsen in einer Flussschleife der Zwickauer Mulde.
Der hier anstehende Glimmerschiefer wird aufgrund der in ihm auftretenden charakteristischen metamorphen Minerale als Biotit-Sillimanit-Schiefer bezeichnet. Als Ausgangsgestein des Glimmerschiefers kommen paläozoische Sedimente in Frage, die in der weiteren Umgebung zu finden sind.
Der Glimmerschiefer gehört zum Schiefermantel des Granulit-Massivs, welcher dieses vollständig umschließt. Dabei handelt es sich um eine mehrere Kilometer breite duktile Scherzone, entlang derer der Granulit-Körper Richtung Erdoberfläche bewegt wurde. Dieser Prozess fand vor ca. 340 – 330 Millionen Jahren statt.
Beim Aufstieg des Granulit-Massivs aus großen Tiefen wurden die umliegenden Gesteine abgeschert, zur Seite befördert und metamorph überprägt. Allen Gesteinen im Kontakt mit dem Granulit ist gemeinsam, dass ihr Metamorphose-Peak mit einer starken Temperaturerhöhung einhergeht. Bei den Glimmerschiefern in Wolkenburg war die Temperaturerhöhung so groß, dass Komponenten mit niedriger Schmelztemperatur aufschmolzen, während Komponenten mit hoher Schmelztemperatur noch fest blieben. Diese Teilaufschmelzung bezeichnet man als Anatexis. Die nicht geschmolzenen Bereiche sind dunkel und durchgehend geschiefert. Die ehemals aufgeschmolzenen Teile des Gesteins treten als helle, relativ grobkörnige Bänder in Erscheinung, die parallel zur Schieferung eingeregelt sind.
Durch Ansammlung der ausgeschmolzenen Komponenten an bestimmten Orten im Gestein bildeten sich stellenweise größere Volumina an Schmelze, die bei Wiederabkühlung zu Granit kristallisierten. Sie wurden während der fortschreitenden Scherverformung des Schiefermantels im festen aber duktilen Zustand zu Gneis deformiert, welcher in mehrere Meter mächtigen Lagen auftritt. Läuft man vom Schlossberg die Straße abwärts zur Muldenbrücke, kann man dies an den Felswänden an der Ecke Schlossberg/Neue Heimat beobachten. Das Erscheinungsbild des Gneises unterscheidet sich deutlich vom Glimmerscheifer: Die Foliation ist deutlich weitständiger, das Gestein wirkt kompakt. Auch die Korngrößen im Gneis sind deutlich größer als die im Glimmerschiefer. Im Gneis kann man Scherlinsen finden, in denen der Granit mit seinem richtungslosen Gefüge noch erhalten ist.