Prießnitz-Knick und Wasserfall in der Dresdener Heide
Das Flüsschen Prießnitz in der Dresdener Heide östlich von Dresden-Klotzsche ist ein schönes Beispiel, um zu zeigen, wie das Entwässerungsnetz und der geologische Bau des Untergrunds miteinander korrespondieren können. Die Prießnitz entspringt bei Rossendorf und fließt zunächst in Richtung NW über Lausitzer Granodiorit durch die Dresdener Heide. Der Lausitzer Granodiorit ist ein Tiefengestein, welches überwiegend aus Plagioklas, Quarz und Glimmer besteht. Es zeichnet sich durch ein richtungsloses und gleichkörniges Korngefüge aus.
Der Granodiorit ist von einer Scherzone durchsetzt, in welcher er in Gneis umgewandelt wurde. Das bedeutet, dass das Gestein hier bei Temperaturen von >300°C metamorph überprägt und spröd-duktil deformiert wurde. Dabei bildete der Gneis eine Foliation (Schieferung) aus, die aus zahlreichen parallelen Schieferungsflächen besteht. Parallel zu dieser Schieferung fließt die Prießnitz in einem kleinen Durchbruchstal in den wunderschönen Prießnitz-Wasserfall. Der Fluss folgt also der geologischen Struktur. Das kann man am Wasserfall sehr gut beobachten.
Flussabwärts hinter dem Prießnitz-Wasserfall gelangt die Prießnitz an den Radeberg-Abbruch. Der Radeberg-Abbruch ist eine wichtige aktive tektonische Störung, an welcher Bruchschollentektonik dazu führte, dass die Nordsächsische Tiefscholle relativ zum Radeberg-Block abgesenkt wurde. Dass die linke Flussseite zu einer höher gelegenen Scholle gehört als die rechte Flussseite fällt besonders an den alten Steinbruchwänden im Prießnitz-Knick auf: Während diese mindestens 20 Meter hoch aufragen, ist das gegenüberliegende Flussufer flach. Am Ende des Prießnitz-Knicks erreicht der Flusslauf das Störungskreuz von Radeberg-Abbruch und Westlausitzer Störung und biegt nach Süden ab. Der Fluss folgt nun dem Verlauf der Westlausitzer Störung bis zur Tharandt-Klotzsche-Störung. Am Kreuz dieser beiden Störungen ändert sich die Fließrichtung erneut, dieses Mal Richtung Südwesten. Die Prießnitz fließt nun in die Elbe.
Am Flusslauf der Prießnitz findet man Zeugen einer halben Milliarden Jahre andauernden geologischen Entwicklung. Vor ca. 470 Millionen Jahren kristallisierte der Lausitzer Granodiorit als Tiefengesteinskörper in mehreren Kilometern Tiefe aus einer magmatischen Schmelze. Vor ca. 340 Millionen Jahren wurde der Lausitzer Granodiorit von der variszischen Gebirgsbildung erfasst. Zu dieser Zeit entstanden die Westlausitzer Störung und wahrscheinlich die Scherzone am Prießnitz-Wasserfall. Dass die Deformation des Granodiorits zu Gneis bei Temperaturen von mindestens 300 °C stattfand, belegt, dass sich das heute an der Erdoberfläche anstehende Gestein damals in ca. 10 Kilometer Tiefe befand. Die Westlausitzer Störung bildet eine wichtige tektonische Grenze, welche metamorph überprägte paläozoische Sedimentgesteine des Nossen-Wilsdruffer- und des Elbtalschiefergebirges sowie die magmatischen Gesteine des Meißener Massivs vom Lausitzer Granodiorit trennt. Sie wird von der NE-streichenden Klotzsche-Tharandt-Störung gekreuzt und versetzt, deren Lauf die Prießnitz Richutng SW folgt.
Die jüngste tektonische Entwicklung wird durch den Radeberg-Abbruch dokumentiert. Der Radeberg-Abbruch ist eine morphologisch markante Struktur, welche die NW-Grenze des Radeberg-Blocks zur Nordsächsischen Tiefscholle bildet. Versätze an sehr jungen Störungen sind noch nicht durch Erosion ausgeglichen, deshalb kann man sie als Geländekanten bzw. Abbrüche in der Landschaft erkennen.