Gebirgsstabilität des Königsteins: eine Parameterstudie

Projekt Geostab 2: Geogefahren unter regionalen Aspekten - Methodik zur integralen Bewertung der Gebirgsstabilität zur Ableitung von Geogefahren unter regionalgeologischen Aspekten

Festung Königsstein: Stützmauern zur erhöhung der Stabilität des Felsens.
Der Felsen der Festung Königstein wird durch zahlreiche Mauern gestützt und so vorm mechanischen Versagen bewahrt.  © Roy Morgenstern, TU Bergakademie Freiberg

Projektlaufzeit

04/2024 - 03/2026

Projektpartner

Professur für Felsmechanik, TU Bergakademie Freiberg

Projektziele

Die Festung Königstein liegt in der Elbe-Zone in der Nähe von tektonischen Störungen mit erhöhtem Reaktivierungspotential. An und in der näheren Umgebung der Festung wurden bereits zehn Massenbewegungsereignisse registriert, welche Sturz-, Rutschungs- und Fließprozesse umfassen. Des Weiteren wurde eine Rissbildung in den historischen Mauerwerken der Festungsanlage beobachtet. 

Aufgabe des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist es, solche Ereignisse zu dokumentieren. Außerdem unterstützt das LfULG andere Behörden bei ihrer Arbeit zur Problematik geogener Naturgefahren. Für diese Beratungstätigkeit werden u.a. Untersuchungen der Gebirgsstabilität mit einem hohen Detaillierungsgrad durchgeführt, die ausschließlich für den Nach-weis lokaler sicherheitstechnischer Aufgabenstellungen Verwendung finden. Aus den Untersuchungsergebnissen werden mögliche Empfehlungen zum Monitoring sowie für Sicherungsmaßnah-men abgeleitet.

Mit der im Projekt Geostab neu entwickelten numerischen Methodik können Untersuchungen zur Gebirgsstabilität des Königsteins nun in einem regionalgeologischen sowie tektonischen Kontext durchgeführt werden:

  • Der Einfluss von potentiellen Erdbeben auf die Felsen und Kluftsysteme kann untersucht werden.
  • Der Einfluss der jährlichen Temperaturschwankungen auf die Fels- und Bausubstanz kann analysiert werden. Der Einfluss fortschreitender Erosion und Hohlkehlenbildung kann beschrieben werden.
  • Der Einfluss von Starkregenereignissen auf das Kluftsystem und damit die Standsicherheit kann abgeschätzt werden.

Aussagen zu diesen Themen sind von hohem Nutzen für eine Beurteilung von Geogefahren am Königstein.

Wozu dient eine Parameterstudie?

Wesentlich für die Ergebnisse von numerischen Berechnungen sind die verwendeten Materialparameter, welche die physikalischen Eigenschaften der Gesteine beschreiben. Diese sind im Allgemeinen nur punktuell bekannt, da sie an wenige Zentimeter großen Proben im Labor ermittelt wurden. Aus den Labordaten bzw. aus Literaturdaten müssen sie für die gesamte Gesteinseinheit abgeschätzt werden.

In der Natur ist jedoch damit zu rechnen, dass die Materialparameter variabel sind, z.B. durch lokale Wechsel in der Gesteinsbeschaffenheit, durch Inhomogenitäten oder durch bereits existierende Risse. Um solche Variabilitäten bei der Simulation abzubilden, werden die Materialparameter variiert, das heißt, die Berechnungen wurden mehrfach für feste, mittlere und wenig feste Gesteine durchgeführt und die Reaktionen des Systems gegenübergestellt. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Parameterstudie. Es ermöglicht Analysen, bis zu welchen Materialfestigkeiten das System stabil bleibt und  relativiert somit unsere Unkenntnis über die Materialeigenschaften des geologischen Untergrunds.

drei 3D-Modelle des Koenigssteins, welche die Reaktion des Felsens auf ein Starkregenereignis zeigen
Verschiebungsmagnituden in m nach Starkniederschlag mit einer Wiederkehrdauer von 100 Jahren. Diese sind je nach gewählten Materialeigenschaften unterschiedlich. Datensatz 1 (oben links) weist die höchsten Steifigkeiten und Festigkeiten auf. Er dient in erster Linie der Überprüfung des Modellaufbaus sowie des grundsätzlichen Modellverhaltens während der Entwicklungsphase. Datensatz 2 (oben rechts) ist als konservativer Ansatz zu verstehen, da er die geringsten Steifigkeiten und Festigkeiten besitzt. Datensatz 3 (unten) ist als realistischer Datensatz zu interpretieren, da er sich – soweit verfügbar – an im Labor bestimmten Gesteinsparametern orientiert. Er bildet das natürliche Verhalten des Gebirges am realistischsten ab.   © LfULG
Gebirgsstabilitaet Koenigsstein, Verschiebungen nach dem Durchlaufen eines Erdbebens
Reaktion des Datensatzes 2 auf ein Erdbebensignal der Magnitude 4,6. Dieses ist 50-fach stärker als das stärkste je in der Region gemessene Erdbeben. Bei Erdbeben der Magnitude 4,5 bleibt der Fels noch weitgehend unbeeinträchtigt. Da das stärkste in der Region gemessene Erdbeben die Magnitude 3 hatte, kann die Festigkeit des Königsteins in Bezug auf Erdbeben als sicher interpretiert werden. Das Bild stellt die Horizontalkomponente der Verschiebungen dar (displacement X). Die Pfeile zeigen die Verschiebungsvektoren. Der Königsstein wird bei einem extrem starken Erdbeben an einer Kluft, die ihn zentral quert, auseinander gerissen.  © LfULG

Projektergebnisse

Die angewendete Methodik der numerischen Simulation erlaubte es, Geogefahren für den Königstein objektiv und umfassend zu bewerten, etwa durch potenzielle Erdbeben, Temperaturwechsel, Erosion sowie Starkregenereignisse. 

  • Der Bereich minimaler Festigkeit befindet sich am Sockel des Königsteins im sogenannten Gamma-3-Horizont. Dieser Sandstein ist so stark entfestigt, dass er lokal wie ein Lockersediment wirkt. Diese Gesteinseinheit fungiert als potentielle Gleitfläche, auf der sich das Festungsmassiv bewegt. 
  • Die Klüfte, die den darüber liegenden Fels durchziehen, stellen ebenfalls wichtige Schwächezonen dar. Besonders Kluftkreuze sowie Klüfte, die in geringen Abständen parallel zu den Außenwänden des Felsens verlaufen, wirken als Schwächezonen, da hier die triaxiale Einspannung des Gesteins fehlt.
  • Der Versagensmechanismus des Königssteins ergibt sich aus einer Kombination des Gleitens auf dem Gamma-3-Horizont und der ausgeprägten Klüftigkeit der darüber liegenden festeren Sandsteine: Kluftbegrenzte Felsblöcke können auf dem Gamma-3-Horizont kippen oder abgleiten.
  • Bewegungen in diesem mechanischen System werden von externen Einflüssen wie Starkregenereig-nissen oder Erdbeben ausgelöst. Die durchgeführten numerischen Modellierungen zeigten jedoch, dass signifikante Kluftbewegungen erst bei außergewöhnlich starken Ereignissen auftreten wie ei-nem Starkregenereignis von mindestens 10.000-jähriger Wiederkehrdauer oder Erdbeben der Magni-tude > 4,5, also mit der 50-fachen Stärke des stärksten bisher registrierten Erdbebens.
  • Eine wichtige Rolle spielt auch der immer wiederkehrende Frost- und Tauwechsel, der erosive Prozesse begünstigt und schlussendlich über lange Zeiträume Felsstürze auslösen kann.

Kontakt

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Dr. Ines Görz

Telefon: 03731 294-1313

Telefax: 03731 294-1099

E-Mail: ines.goerz@lfulg.sachsen.de

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