Augengneis im Natschungtal
Ort: Rübenau an der Lochmühle
Sehenswürdigkeit: Deformationsstrukturen im Gneis
Status: interessanter Aufschluss ohne Geotopschutz
Anreise mit PKW: B174 von Chemnitz nach Marienberg, B171 von Marienberg nach Ansprung, Görkauer Straße bis Rübenau, Olbernhauer Straße bis Lochmühle, von dort wenige Meter ostwärts an der nördlichen Straßenseite
Anreise mit öffenlichen Verkehrsmitteln: RB81 vonChemnitz Hauptbahnhof nach Olbernhau, Bus 497 Olbernhau-Marienberg bis Rübenau
Im Natschungtal stehen an mehreren Felswänden Gneise an, welche zum Gneiskomplex von Reitzenhain-Katharinaberg zählen. Sie bilden die untere Struktureinheit des Erzgebirges. Am Felsen an der Lochmühle kann man verschiedene Deformationszustände sowie eine zweiphasige Gefügeentwicklung des metamorphen Gesteins beobachten.
Der Gneis ist durch seine Foliation, sein plattiges Gefüge mit Schieferungsflächen, gekennzeichnet. Auffällig in diesem Gestein sind die Augen (Klasten): grobe Feldspatkristalle in einer feinkörnigen Matrix. Die Augen weisen häufig eine asymmetrische Form mit spitz auslaufenden Flügeln auf. Sie entstanden bei Scherung des Gesteins in einem Temperaturbereich, in welchem Quarz bereits duktil reagiert und rekristallisiert, Feldspat aber noch spröde war und der Scherung teilweise wiederstand. Mit Hilfe der asymmetrischen Form der Augen kann der Geologe den Schersinn bei der Gesteinsentstehung rekonstruieren: Die Scherung erfolgte in Richtung der ausgelängten Schwänze.
Die Foliation des Gneises wurde am Westrand des Felsens in länglichen Bändern, sogenannten Knickfalten, deformiert. Auch die Augen des Gneises sind mit verfaltet. Dies zeigt, dass die Knickbandbildung einer jüngeren Deformationsphase als die Bildung der Foliation und der Augen zuzuordnen ist, da sie diese überprägt.