Bodenschätze in Sachsen
Sachsen verfügt über zahlreiche mineralische Rohstoffe, die sowohl hinsichtlich Qualität als auch Quantität dem Bedarf entsprechen. Durch geologische Prozesse entstandene Rohstoffe werden weltweit in unterschiedlicher Weise klassifiziert. Für Sachsen bietet sich folgende Gruppierung an:
- Energierohstoffe (z.B. Braunkohle, Steinkohle, Uran)
- Steine & Erden - oft auch als auch Baurohstoffe oder Massenrohstoffe bezeichnet (z.B. Granit, Porphyr, Kies, Sand, Lehm, Kaolin)
- Erze & Spate (z.B. Zinnerz, Flussspat)
Weitere Rohstoffe, wie beispielsweise Karbonatgesteine oder Feldspat-reiche Granite werden manchmal auch als Industrieminerale oder Eigenschaftsrohstoffe bezeichnet; in Sachsen zählt man sie zu den Steinen & Erden.
Eine Kurzübersicht der sächsischen Bodenschätze (Stand 2026) finden Sie hier.
Energierohstoffe
Energierohstoffe dienen der Gewinnung von Wärme und Elektrizität. Wichtigster Energierohstoff in Sachsen ist derzeit die Braunkohle, die hauptsächlich verstromt wird und teilweise auch für eine stoffliche Nutzung geeignet ist. Sie wird zunehmend durch den CO2-emissionsfreien, regenerativen Rohstoff Geothermie / Erdwärme ersetzt.
Desweiteren spielte die Gewinnung von Uran in Sachsen eine große Rolle.
Braunkohle kommt vorwiegend in Nordsachsen vor. Bei dem derzeitigen Verbrauch würden die bekannten Vorräte noch mehrere Jahrzehnte reichen.
Erste Hinweise zur Nutzung von Braunkohle sind für die Dölauer Heide nahe Halle seit 1382 überliefert. Braunkohlengewinnung wurde seit 1670 bei Meuselwitz, ab etwa 1800 im Zeitzer Raum und seit 1839 bei Bitterfeld betrieben. Für das Jahr 1786 ist der erste Braunkohlenbergbau bei Leipzig und für 1799 bei Borna belegt. In der Niederlausitz wurden erstmals 1789 bei Lauchhammer und in der Oberlausitz 1835 bei Berzdorf Braunkohlen gefördert. Zu DDR-Zeiten wurde die Braunkohlengewinnung stark forciert, um Bevölkerung und Industrie mit elektrischem Strom sowie Wärme zu versorgen.
Nachdem im 19. und 20. Jahrhundert die Stein- und Braunkohlen nicht nur als Energielieferanten, sondern als vielseitig nutzbare Rohstoffe auch in der Chemie, Metallurgie und anderen Industriezweigen eingesetzt wurden, werden heute die meisten sächsischen Braunkohlen verstromt. Derzeit fördern die sächsischen Tagebaue Vereinigtes Schleenhain (südlich von Leipzig) sowie Reichwalde und Nochten (nördliche Oberlausitz) jährlich etwa 30 Millionen Tonnen Rohbraunkohle und decken damit rund 65 % der jährlichen Bruttostromerzeugung in Sachsen ab (jüngste Daten für 2023).
Aufgrund des politischen Zieles, die Gewinnung von Braunkohle in den nächsten Jahrzehnten bundesweit sukzessive einzustellen, steht auch Sachsen vor der großen Herausforderung, den Löwenanteil seines Energiebedarfes zukünftig aus anderen Quellen zu decken. Die dann noch im Untergrund verbleibenden erheblichen Vorräte an Braunkohle könnten dann bei Bedarf in Zukunft vielleicht einmal in anderer Art und Weise genutzt werden (z.B. zur Erzeugung von Ausgangsstoffen für die chemische Industrie).
Eine Beschreibung der Braunkohlenlagerstätten im Südraum von Leipzig befindet sich in einer eigenen Bergbaumonografie.
Energie aus dem Erdinnern lässt sich auch durch Nutzung von Erdwärme gewinnen. Vor allem der in den oberflächennahen Bereichen (einige Hundert Meter unter der Erdoberfläche) gespeicherte Wärmeinhalt ist technisch vergleichsweise einfach erschließbar. Daher hat die Nutzung dieser Energieform in den letzten Jahren stetig zugenommen und wird aller Voraussicht nach einen bedeutenden Beitrag bei der Energiewende insbesondere zur Bereitstellung von Wärme liefern.
In Sachsen wird Erdwärme vorwiegend als Energieträger für Heizzwecke – mittelfristig möglicherweise auch zur Stromerzeugung - genutzt. Detaillierte Informationen zur Nutzung von Geothermie finden Sie unter
Ein erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genutzter weiterer Energierohstoff ist Uran, für dessen zivile Nutzung in Kernkraftwerken das Isotop 235U eingesetzt wird. Es wurde von der Wismut SDAG bis in die 90iger Jahre des vorigen Jahrhunderts gewonnen.
Vor allem im Westerzgebirge entstanden in hydrothermalen Gängen der BiCoNiUAg – Formation große Uran-Lagerstätten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerfall unter erheblichen Anstrengungen abgebaut wurden.
Bedeutende Restvorräte sind insbesondere im Raum Tellerhäuser sowie bei Königstein (Sächsische Schweiz) vorhanden. Aufgrund diverser Rahmenbedingungen erscheint derzeit eine ausschließlich auf Uran gerichtete Gewinnung dieses Rohstoffs unrealistisch. Allerdings könnte bei der Gewinnung anderer in diesen Lagerstätten auftretender Rohstoffe Uran als Nebenprodukt anfallen und aufgrund der ungebrochen großen weltweiten Nachfrage wirtschaftlich verwertet werden.
Informationen über Uranlagerstätten Sachsens befinden sich unter anderem in den Bergbaumonographien
- Brunndöbra,
- Döhlener Becken,
- Geyer,
- Tellerhäuser-Hämmerlein,
- Königstein,
- Niederschlag,
- Pöhla,
- Schlema-Alberoda,
- Schneeberg,
- Zobes
sowie in den Erläuterungen zur Karte der mineralischen Rohstoffe Erzgebirge-Vogtland/Krušné hory 1:100 000 einschließlich der dazugehörigen Karte.
Für das Zwickauer Revier ist – ausgehend vom Ausbissbereich oberkarbonischer Flöze - eine Gewinnung von Steinkohle seit 1348 urkundlich belegt und wurde mehr oder weniger kontinuierlich bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt. Im Jahr 1978 kam die Steinkohleförderung aus wirtschaftlichen Gründen zum Erliegen.
Im zweitgrößten sächsischen Steinkohlerevier bei Lugau/Oelsnitz begann der Bergbau 1844. Hier wurde bis 1971 Kohle gefördert.
Im Raum Freital (Döhlener Becken) bei Dresden erstreckte sich die Steinkohlegewinnung zur energetischen Nutzung von 1542 bis 1967.
In Ebersbach bei Chemnitz wurde 1700 kurzzeitig ebenfalls Steinkohle gefördert.
Die bekannten sächsischen Restvorräte von Steinkohle z.B. im Raum Zwickau erscheinen unter heutigen Rahmenbedingungen sowie auf absehbare Zeit wirtschaftlich bedeutungslos.
Ausführliche Informationen zur Geologie und Bergbaufolgen im Revier Lugau/Oelsnitz, im Revier Zwickau sowie im Döhlener Becken sind in einer eigenen Monografie dargestellt.
Oberflächennah gebildete und daher technisch leicht gewinnbare Torfe sind in Sachsen weit verbreitet und wurden über viele Jahrhunderte als Brennstoff genutzt. Zahlreiche ehemalige Glashütten im oberen Erzgebirge verdanken den dort infolge der häufigen Niederschläge im Quartär gebildeten Hochmooren ihre Existenz.
Heute stehen derartige Moore jedoch grundsätzlich unter Naturschutz und daher findet derzeit kaum eine Torfgewinnung statt, noch ist sie in absehbarer Zukunft zu erwarten. Torf kommt nur noch für therapeutische Zwecke im Bäderbereich oder als gärtnerisches Substrat zur Bodenverbesserung zum Einsatz.
Aus geologischen Gründen sind in Sachsen keine wirtschaftlich nutzbaren Lagerstätten von Erdöl & Erdgas zu erwarten. Die intensive Suche danach - vor allem in den 1950-er Jahren in prinzipiell höffigen Gesteinen der sächsischen Lausitz - blieb erfolglos.
Im Rahmen der Bohrarbeiten wurde allerdings nebenbei der Lausitzer Kupferschiefer untersucht, der mit seinen Anreicherungen vor allem von Kupfer und Silber in der heutigen Zeit das Interesse international agierender Bergbauunternehmen geweckt hat und seit einigen Jahren wieder im Fokus von Explorationsaktivitäten steht.
Steine & Erden
Rohstoffe der Steine & Erden stellen mengenmäßig nach der Braunkohle die größte Rohstoffgruppe dar, die im Freistaat Sachsen abgebaut wird. Insgesamt sind derzeit in Sachsen ca. 250 Abbaubetriebe der Steine & Erden-Industrie tätig.
Die bekannten Lagerstätten von Baurohstoffen - vor allem von Festgesteinen, Kiesen & Sanden sowie diversen keramischen Rohstoffen - können überwiegend den Bedarf noch auf Jahrzehnte decken. Erforderlich ist allerdings eine weitsichtige und flexible Rohstoffsicherung in der Regionalplanung, die rechtzeitig Erweiterungen bzw. Ersatzflächen ausweist sowie auch eine Versorgung von Nachbarregionen ermöglicht - insbesondere wenn es diesen an bestimmten Rohstoffen mangelt (z. B. Kiese & Sande im Erzgebirge).
Aufgrund ihrer Vielfalt werden die Steine & Erden in die folgenden Rohstoffgruppen untergliedert.
Aus geologischen Gründen befinden sich oberflächennahe Festgesteine vorrangig im Süden von Sachsen (Fichtelgebirge, Sächsisches Vogtland, Erzgebirge, Granulit-Massiv, Elbsandsteingebirge, Oberlausitz). Sie umfassen sowohl Sedimentgesteine (z.B. Sandstein bei Lohmen), als auch Magmatite (z.B. Basalt bei Mittelherwigsdorf, Granodiorit bei Demitz-Thumitz) und Metamorphite (z.B. Fruchtschiefer bei Theuma).
Die Gewinnung erfolgt derzeit in etwa 80 Steinbrüchen meist durch Sprengungen. Im Verlauf verschiedener Aufbereitungsprozesse werden schließlich überwiegend Schotter, Splitte und weitere Produkte (z.B. Brechsande) erzeugt.
Eine Natursteingewinnung zur Herstellung verschiedener Werksteinprodukte dagegen verliert in Sachsen aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend an Bedeutung. Unter anderem werden für die Sanierung historischer Denkmäler (z.B. Frauenkirche in Dresden) Blöcke gewonnen und entsprechend der geplanten Verwendung gespalten, behauen und/oder zersägt. Optisch besonders attraktive Gesteine (z.B. Theumaer Fruchtschiefer) prägen in Form verschiedenster Bauelemente (z.B. Fassaden, Wegeplatten etc.) ganze Regionen.
Karbonatgesteine bestehen überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO3) und/oder Dolomit (CaMg(CO3)2).
Sie stellen für verschiedenste wirtschaftliche Anwendungen gesuchte Rohstoffe dar. Sie zeichnen sich durch eine relativ hohe Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Druckbeanspruchung aus und finden infolge ihrer chemischen Zusammensetzung Verwendung in der Bauindustrie als Schotter, Splitt, Brechsande, und Mineralgemische sowie verarbeitet in Putzen, Mörteln und Zement. Zusätzlich werden die Karbonate als Düngemittel, Futtermittelzusatz, in der Rauchgasentschwefelung sowie für weitere zum Teil hochwertige Zwecke eingesetzt.
Karbonatgesteine sind in Sachsen in geringen Mengen vorhanden und werden nur in 3 sächsischen Vorkommen abgebaut. Diese liegen bei Ostrau (Dolomit Pulsitz-Ostrau), Oberwiesenthal (Kalkwerk Hammerunterwiesenthal) und Bahretal (Kalkwerk Borna). Weitere Vorkommen befinden sich unter anderem bei Görlitz, Hermsdorf, Raschau, Wildenfels und Crimmitschau.
Der industrielle Bedarf muss zum größten Teil durch Importe gedeckt werden.
Eine Bergbaumonographie erschien zum Thema »Marmor im Erzgebirge«.
Oberflächennah abgelagerte und daher technisch leicht gewinnbare Kiese & Kiessande sind in Sachsen weit verbreitet und werden vorrangig im Baugewerbe als Bau- und Zuschlagsstoffe verwendet.
Vor allem im nördlichen Teil Sachsens und in (teils ehemaligen) Flussläufen befinden sich bis mehrere Zehnermeter mächtige tertiäre und quartäre Kiessandlagerstätten. Untergeordnet werden im Bereich des Grundgebirges oberflächennah vergruste Festgesteine als Kiessand-Ersatz gefördert (z.B. Granodioritgrus Lauba). Einer der größten Kiessandtagebaue Sachsens mit ehemals bis zu 35 Meter mächtigen Kiessanden liegt bei Ottendorf-Okrilla in einem elsterkaltzeitlichen Elbelauf. Wie in vielen der ca. 110 Kiessandtagebaue Sachsens erfolgt auch hier teils Trocken- und teils Nass-Abbau.
Ein interessanter Aspekt sächsischer Kies- und Sandlagerstätten ist, dass sie geringe Mengen an Gold und anderen wertvollen Schwermineralen (z.B. Kassiterit, Zirkon etc.) enthalten, welche im Verlauf der normalen Aufbereitung gewonnen werden könnten. Details hierzu sind dem Band 12 der Schriftenreihe des LfULG zu entnehmen.
Sande und Spezialsande werden in Sachsen gegenwärtig nicht abgebaut. Abhängig von den spezifischen Materialeigenschaften der konkreten Lagerstätte können sie z.B. in der Glasindustrie oder als Schleif- und Poliermittel verwendet werden. Besonders hochwertige Lagerstätten (z.B. Glassand Hosena) werden als Vorranggebiete für den Rohstoffabbau planerisch gesichert.
Abbauwürdige Lehme und Mergel sind in Sachsen überwiegend an oberflächennah anstehende Gesteine des Rotliegenden gebunden. Aus diesen entstanden sie durch Verwitterung.
Deswegen liegen die ca. 10 aktiven Tagebaue vorrangig in Südwestsachsen oder im Döhlen-Becken. Kleinere Lagerstätten finden sich darüber hinaus in der Oberlausitz, wo im Gegensatz zu den oben genannten Lagerstätten Lösslehm abgebaut wird.
Die sächsischen Lehme und Mergel finden fast ausschließlich in der grobkeramischen Industrie Verwendung. Um die jeweils gewünschten keramischen Eigenschaften zu erzielen, ist häufig ein Verschnitt mit eiszeitlich entstandenen Lösslehmen erforderlich.
Die Förderung von Tonen und Spezialtonen hat in Sachsen eine lange Tradition. Hinweise auf Tonabbaue finden sich schon in den klösterlichen Anlagen des Mittelalters (z.B. Altzella bei Nossen). Der heute noch aktive Tagebau Großsaubernitz wurde bereits 1873 aufgeschlossen.
Gefördert werden in Sachsen ausschließlich tertiäre, teilweise bis zu 10 Meter mächtige Tone. Diese lagerten sich in limnischen Gewässern (Seen und Sümpfen) ab.
Besonders bedeutsame Vorkommen befinden sich im Raum Leipzig (z.B. bei Taucha) sowie in der Oberlausitz (z.B. bei Guttau).
Die Tone aus den ca. 10 aktiven sächsischen Tagebauen werden vorrangig in der Feuerfest- und Grobkeramikindustrie zu Dachziegeln, Schamotten, Ziegelsteinen, Rohren oder anderen Tonwaren verarbeitet.
Durchgehend feinkörnig und mineralogisch oft sehr rein sind die im Tertiär unter ruhigen Sedimentationsbedingungen entstandenen Spezialtone, die unter anderem als Begleitrohstoff bei der Braunkohlengewinnung anfallen und für hochwertige Produkte (z. B. in der Feinkeramik für Fliesen und Porzellan) zum Einsatz kommen.
Außerdem wird Ton als Zementrohstoff in der örtlichen Bauindustrie eingesetzt.
Auch für den Deponiebau sind Tone unverzichtbar. So wurden im Raum Taucha und Wetro ehemalige Tonlagerstätten nicht vollständig ausgetont, um die laut Deponieverordnung notwendige geologische Barriere als Basisabdichtung zu erhalten. Dort werden nun Abfälle eingelagert. Gleichzeitig wird Ton auch genutzt, um die Deponiekörper entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen an ihren Oberflächen und Flanken abzudichten.
Kaolinlagerstätten werden aufgrund ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung in Sachsen einer eigenen Rohstoffgruppe zugeordnet.
Die Kaoline bildeten sich durch Verwitterung feldspatreicher Gesteine unter warm-humiden Bedingungen. Die im Zeitraum Oberjura - Tertiär einsetzende kaolinitische Verwitterung der oberflächennah anstehenden feldspatreichen Rhyolithe (bei Kemmlitz), Grauwacken (bei Cunnersdorf) oder Granodiorite (bei Caminau) führte zu Kaolinlagerstätten mit bis zu 50 Meter mächtigen abbauwürdigen Kaolinhorizonten.
Derzeit gibt es 13 aktive Abbaustellen, die sich in Nord- (z.B. bei Hohnstädt), Mittel- (z.B. bei Kemmlitz) und Ostsachsen (z.B. bei Caminau) befinden.
Nach z. T. aufwändiger Aufbereitung werden die verschiedenen Kaolin-haltigen keramischen Massen in vielfältiger Art und Weise eingesetzt, z. B. als Füllstoffe für Papier, Gummi, Buntstifte sowie als Füll- und Trägerstoffe für pharmazeutische Produkte (Salben, Tabletten) oder für Pestizide in der Landwirtschaft. In der keramischen Industrie sind die Herstellung von Sanitärkeramik und Porzellan (z. B. Porzellanmanufaktur Meißen) die bekanntesten Verwendungsgebiete.
Einzelne sächsische Kaolinlagerstätten zeichnen sich durch einen außergewöhnlich hohen Weißgrad aus. Diese besondere Qualität ermöglicht einen Einsatz unter anderem als Füll- und Streichkaolin in der Papierindustrie, in der Medizin und im Obstanbau.
Der auch anzutreffende rot gefärbte kaolinitische Ton eignet sich dagegen besser zur Herstellung von keramischen und feuerfesten Erzeugnissen wie Fliesen, Klinkern und Steingut.
Ausführliche Informationen zur Geologie und Bedeutung von Kaolin im Revier Kemmlitz befinden sich in der Bergbaumonographie Sachsen, Band 13.
Bentonit ist ein an montmorillonitreiches Tongestein. Es entsteht vorwiegend bei der Verwitterung basischer Gesteine. Als Zersetzungsprodukt vulkanischer glasreicher Gesteine kommt es besonders in Ostsachsen vor (z.B. bei Mitterherwigsdorf).
Durch seine hohe Quellfähigkeit beim Zusatz von Wasser sowie Bindungsfähigkeit für Flüssigkeiten und bestimmte Kationen stellt Bentonit einen gesuchten Rohstoff dar. Er wird z. B. als Spülungszusatz bei Bohrungen, in der Mineralöl- und Lebensmittelindustrie zum Reinigen und Entfärben und für Spezialkeramiken eingesetzt.
Bei Neukirchen/Chemnitz wird bentonitischer Porphyrtuffersatz in einer Lehmgrube mitgewonnen. Gegenwärtig findet kein weiterer Abbau dieses Rohstoffs in Sachsen statt.
Aufgrund seiner hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung beispielsweise als Ionenaustauscher, Bindeton für Formsande oder als Zusatz für Bohrspülungen wurden einige der Oberlausitzer Bentonitlagerstätten planerisch gesichert.
Zu DDR-Zeiten wurden zahlreiche weitere nichtmetallische Rohstoffe erkundet, die z. B. zur Quarzglasproduktion (Gangquarze), als keramischer Rohstoff (Feldspat Lengenfeld), als Überzugstoff (Anatasschluff Dänkritz) etc. zum Einsatz kommen sollten. Geringe Vorräte sowie ungenügende Qualitäten führten oft zum Abbruch der Prospektionsarbeiten.
Erze & Spate
Erze sind natürlich vorkommende Gesteine, aus denen in meist mehrstufigen Verfahren Metalle wirtschaftlich sinnvoll gewonnen werden können. Seltener werden im aktiven Bergbau auch Anreicherungen nichtmetallischer Rohstoffe als Erz bezeichnet. Spat ist ein alter Bergmannsbegriff für gut spaltende (spätige) Minerale. Im Zusammenhang mit Rohstoff-Lagerstätten werden unter Spaten ökonomisch relevante Anreicherungen der Minerale Flussspat (Fluorit, CaF2) und Schwerspat (Baryt, BaSO4) subsummiert.
Zahlreiche Vorkommen von Erzen & Spaten haben Sachsen über Jahrhunderte hinweg bekannt gemacht. Die meisten bekannten Erz- und Spatvorkommen Sachsens befinden sich im Erzgebirge und im sächsischen Vogtland. Aber auch in der nördlichen sächsischen Lausitz (Mulkwitz-Antiklinale), nordwestlich von Leipzig (Delitzscher Massiv) und im mittelsächsischen Hügelland (Granulit-Massiv) treten vereinzelt derartige Vorkommen auf.
Die derzeit bekannten Vorräte bedürfen einer an den aktuellen Rahmenbedingungen orientierten Wirtschaftlichkeitsbewertung. Inwieweit die zu DDR-Zeiten berechneten Vorräte der Erze & Spate heutigen anerkannten Klassifikationen (z.B. gemäß UNFC, JORC etc.) entsprechen, muss im Einzelfall untersucht werden. Neuberechnungen für einige Lagerstätten durch derzeit tätige Explorationsunternehmen ergaben meist annähernd gleiche Werte. Interessant erscheinen vor allem Lithium (Akkus), Zinn (Lote, Weißbleche), Wolfram (Hartmetalle), Uran (Energierohstoff), Kupfer (Elektronik), Nickel (Vernickeln als Korrosionsschutz) sowie Fluss- und Schwerspat (Flussmittel zur Schmelzpunkterniedrigung, Beschwerungsmittel in Bohrflüssigkeiten).
Übersichtliche Angaben zu den 139 bekanntesten sächsischen Lagerstätten und Vorkommen von Erzen und Spaten wurden in einem 2008 erstellten Steckbriefkatalog in Kurzform zusammengetragen, der zum Download zur Verfügung steht.
Detaillierte Beschreibungen ausgewählter Lagerstätten sind in den Bergbaumonographien enthalten. Im Band 3 dieser Reihe werden die lagerstättengeologischen Verhältnisse für das Gebiet des Erzgebirges und des sächsischen Vogtlands in Form einer Karte sowie von Erläuterungen ausführlich dargestellt.
Ausführliche Informationen über bestimmte Rohstoffgruppen finden sich unter folgenden Links:
Als ältester urkundlich nachgewiesener Bergbau im Erzgebirge fand im 12. Jahrhundert der Silberbergbau in Freiberg Erwähnung, dem der Zinnabbau im oberen Erzgebirge folgte. Eine zweite Bergbauperiode führte im 15. und 16. Jahrhundert durch neue Silberfunde zur Gründung weiterer Bergstädte, so z. B. von Schneeberg, Annaberg und Marienberg. Die dritte Periode ab der Mitte des 18. Jahrhunderts war insbesondere durch die Gewinnung von Wismut-, Kobalt- und Nickel gekennzeichnet. Ab etwa dem 19. Jahrhundert kamen dann Blei, Zink, Fluss- und Schwerspat sowie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere Uran hinzu.
Das Vorhandensein von Erz- & Spatlagerstätten des Erzgebirges war ein wichtiger Faktor bei der historischen Entwicklung Sachsens. Dadurch wurden unter anderem die Schaffung kultureller Reichtümer finanziert und innovative Entwicklungen im Bergbau und in den Geowissenschaften ausgelöst, die weit über die Landesgrenzen hinauswirkten und eine Grundlage der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert darstellten.
Sämtliche bergbaulichen Aktivitäten auf Erze & Spate wurden in Folge der Wiedervereinigung der deutschen Staaten und der damit einhergehenden Anpassung an weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen bis 1991 eingestellt.
Seit Einstellung des sächsischen Erz- & Spat-Bergbaus im Jahr 1991 werden – mit Ausnahme geringer Mengen des bei der Wasseraufbereitung früherer Uranbergwerke anfallenden Urans (Mitte 2021 endgültig eingestellt) – keine Metalle mehr gefördert. Bei Niederschlag (mittleres Erzgebirge) findet seit 2013 Flussspat-Abbau statt.
Weltweit stark steigende Rohstoffpreise haben diese Situation ab etwa 2005 allerdings wieder verändert und zu einer seitdem mehr oder weniger stetigen Exploration auf Vorkommen der Erze und Spate in Sachsen geführt. Im Fokus stehen derzeit (2026) vor allem die Rohstoffe Lithium, Kupfer, Wolfram, Zinn sowie Flussspat. Aber beispielsweise auch Gold, Nickel, Seltene Erden und weitere begleitende metallische Rohstoffe treten in Vorkommen auf, deren bekannte Vorräte wahrscheinlich durch vertiefte geologische Erkundungen erweitert werden können.
Zu den wichtigsten gewerblichen Lagerstättenerkundungs-Vorhaben seit 2010 gehören:
- Kupferschiefer Lausitz (Fokus: Kupfer, Silber; vorrangige Explorationsmethoden: Bohrungen, Seismik)
- Skarne Westerzgebirge (Fokus: Zinn, Wolfram; vorrangige Explorationsmethoden: Bohrungen, Erkundungsschacht, untertägige Beprobungen)
- Karbonatit-Brekzie Storkwitz (Fokus: Seltene Erden Elemente; vorrangige Explorationsmethode: Bohrung)
- Greisen Osterzgebirge (Fokus: Lithium, Zinn; vorrangige Explorationsmethoden: Bohrungen, untertägige Beprobungen)
- Umgebung Freiberg (Fokus: Silber; vorrangige Explorationsmethoden: Bohrungen)
Im Bereich eines über Jahrzehnte explorierten Flussspat-Ganges bei Bärenstein/Niederschlag waren diese Aktivitäten so erfolgreich, dass erstmals nach längerer Pause wieder ein Bergwerk in Betrieb genommen werden konnte und seit 2015 im Regelbetrieb Flussspat abgebaut wird.
Mit öffentlichen Mitteln unterstützte großräumige wissenschaftliche Aufsuchungen im Erzgebirge mittels geophysikalischer (Befliegungen mit Mess-Sonden) und geochemischer (Bachsediment-Analysen) Methoden erbrachten zahlreiche praxisrelevante Ergebnisse. Auf deren Grundlage führten nachfolgend mehrere privatwirtschaftliche Explorationsunternehmen im Rahmen bergrechtlicher Erlaubnisse vertiefte Erkundungen durch.
Die folgende Karte illustriert die Lage und teilweise flächige Fokussierung der seit 2006 beim Sächsischen Oberbergamt eingereichten etwa 100 bergrechtlichen Anträge auf Erkundung und/oder Gewinnung von Lagerstätten und Vorkommen der Erze und Spate. Die aktuellen Bergbauberechtigungen sind auf der Webseite des Sächsischen Oberbergamts dargestellt.
Der Fokus und die Intensität derartiger Explorationsaktivitäten sind in Abhängigkeit von weltwirtschaftlichen (Rohstoffpreise und –verfügbarkeiten) sowie politischen Rahmenbedingungen (z.B. Rohstoffstrategien mit entsprechenden Förderprogrammen) starken Schwankungen unterworfen.
Das Säulendiagramm zeigt das veränderliche Interesse von Explorationsfirmen an zu bestimmten Zeiten besonders gefragten Rohstoffen.
Das Referat Rohstoffgeologie im LfULG unterstützt die rohstoffgeologische Erkundung und bergbaurelevante Aktivitäten auf Erze und Spate unter anderem durch fachliche Begleitung von rohstoffrelevanten Verwaltungsverfahren (z.B. im Rahmen bergrechtlicher Anträge) und diversen einschlägigen Projekten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Sammlung, Aufbereitung und Verfügbarmachung von rohstoffgeologischen Daten, die in verschiedenster Form (z.B. Primärdaten, Berichte, Karten etc.) interessierten Nutzern (z.B. Explorationsfirmen) zur Verfügung gestellt werden.