Die Forschungsbohrung Baruth

Bohrung: 1998

Entstehung

Vor 28 Millionen Jahren: in der Nähe des heutigen Baruth suchte heißes Magma aus dem Inneren der Erde seinen Weg an die Oberfläche. In etwa 300 Meter Tiefe traf das geschmolzene Gestein mit dem Grundwasser zusammen und es kam zu gewaltigen thermohydraulischen Explosionen.

Dadurch entstand ein Krater von mehr als einem Kilometer Durchmesser und etwa 250 Meter Tiefe. Nach dem nur wenige Wochen dauernden Ausbruch umgab ein Wall von Steinblöcken und anderen Auswurfmassen den tiefen Krater, der sich langsam mit Wasser füllte. Es entstand ein abgeschlossener tiefer See ohne Zu- oder Abfluss mit idealen Bedingungen für die Ablagerung fein geschichteter Sedimente.
Diese dünnen Schichten, Jahr für Jahr abgelagert, speicherten Informationen über den See und seine Umgebung.

Die Baruther Kernbohrung

Die Baruther Kernbohrung sollte diese Millionen Jahre alte Datensammlung ans Licht bringen.
Weil jüngere Ablagerungen das frühere Relief überdecken, ist an der Erdoberfläche von der vulkanischen Struktur heute nichts mehr zu erkennen. Deshalb waren den Forschungsbohrungen im Baruther Maar komplizierte Untersuchungen des Untergrundes vorausgegangen.
Die Existenz des Baruther Maares war nur indirekt durch geophysikalische Messungen nachzuweisen. Erst die Bohrungen konnten bestätigen, dass die Vermutungen der Geologen richtig waren.
Weltweit erstmalig wurde eine Forschungsbohrung auf eine verdeckte und nur aufgrund geophysikalischer Anomalien vermutete Maarstruktur angesetzt.

Auswertung der Bohrung

Für die Auswertung der Forschungsbohrungen von Baruth mussten die Bohrkerne zuerst in Längsrichtung aufgeschnitten werden. Dann konnte ein Abschnitt der geologischen Geschichte der Lausitz rekonstruiert und die Entstehung des Kraters sowie seine langsame Verfüllung mit Sedimenten erforscht werden.

Paläontologen untersuchten anhand von licht- und elektronenmikroskopischen Bildern die Algen und andere Kleinstlebewesen des ehemaligen Sees.

Chemiker und Mineralogen analysierten die Zusammensetzung von Mineralien und organischen Resten.
Geophysiker untersuchten die physikalischen Eigenschaften der Gesteine und Sedimentologen beschäftigten sich mit der Entstehung der Feinschichtung und anderen Phänomenen.

Ziel des gesamten Forschungsprogramms war es, die Umwelt zu rekonstruieren, in der die Tiere und Pflanzen des Sees lebten. Besonders interessant sind die Aussagen zum Klima der Lausitz vor 28 Millionen Jahren. Solche weltweit noch seltenen Daten könnten in Zukunft als wichtige Anhaltspunkte für die Interpretation des heutigen Klimawandels dienen.

Abbildungen

Foto: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines reinen Diatomites

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines reinen Diatomites der Forschungsbohrung Baruth 1 / 98, Quelle: LfULG

Foto: Bohrplatz der Forschungsbohrung

Bohrplatz der Forschungsbohrung Baruth 1 / 98, Quelle: LfULG

Foto: Jahreszeitlich geschichteter Diatomit

Jahreszeitlich geschichteter Diatomit der Forschungsbohrung Bth 1 / 98, Quelle: LfULG

Foto: Konifere aus der Forschungsbohrung

Konifere aus der Forschungsbohrung Bth 1 / 98, Quelle: LfULG

Abbildungen

Ansprechpartner

Dr. Kurt Goth

Telefon: 03731 294-1208

Telefax: 03731 294-1099

E-Mail: Kurt.Goth@smul.sachsen.de

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